Fragen & Antworten

Absage der Computerspielemesse in Karlsruhe – Unser Offener Brief an OB Fenrich

Aus allen Fragen, die uns in Mails geschickt oder bei Gesprächen zum Thema Computerspiele, unserem Offenen Brief an OB Fenrich und zur "Intel Friday Night Games" gestellt wurden, haben wir hier die wichtigsten zusammen gestellt. Die Antworten sind von Ute Kretschmer-Risché, 1. Vorsitzende Leselust in Baden e.V., zum Teil als Ergebnis von Diskussionen, auch innerhalb des Vereins.

Was hat der Offene Brief ausgelöst?

Unmittelbar eine Flut an Reaktionen durch Mails, Anrufe und persönliche Kontakte. Ich war sehr erstaunt, wie vehement manche Mail ausfiel, es gab sogar Beiträge in einem Forum. Mittelbar hat unser Engagement sicherlich auch mit zu der Absage beigetragen. Entscheidend ist aber, was jetzt im Nachgang passiert. Ich setze stark auf Diskussionen, Aufklärung und vor allem Gespräche mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Jetzt sind auch die Kommunalpolitiker und die Stadt Karlsruhe gefragt.

Was halten Sie von den Vorwürfen, das sei reines Wahlkampfthema, die Gegner hätten den Draht zu Jugendlichen verloren und wer gegen Computerspiele sei, offenbare sich als Technikfeind und Spießer?

Das ist ja ein bunter Strauß an Vorwürfen und Vorurteilen. Im Übrigen wurde das oft angeführt von Kommentatoren, die uns wiederum Pauschalierungen vorwarfen. Vor einiger Zeit gab es den Werbespot, in dem ein Vater Häuslebauer als Spießer bezeichnet. Seine kleine Tochter entgegnet: "Wenn ich groß bin, möchte ich auch Spießer sein." Unter diesen Vorzeichen bin ich selbst gerne Spießerin. Es liegt vielleicht in der Natur der Sache, dass man als Ewiggestrige verschrieen wird, wenn man nicht jeder Mode hinterherrennt, nicht jeden technischen Schnickschnack mitmacht und auch mal den Sinn hinterfragt. Allerdings bin ich zugegebenermaßen selbst von so mancher Entwicklung begeistert. Nur mal nebenbei, ich verschließe mich nicht der Technik. Ich habe ein iPhone mit zahlreichen Apps, ich streame Videos, nutze meinen iRex und freue mich über meinen Cinemizer. Nur das Experiment twittern habe ich beendet. Es gibt schon genug Banalitäten, die ich nicht auch noch verbreiten muss und wofür ich nicht meine Zeit verplempere.

Warum regen Sie sich über die Computerspielenacht so auf?

Zunächst mal ist unser Engagement keine plötzliche Eingebung. Wir sprechen uns schon seit Gründung unseres Vereins 2004 gegen ungezügelten und/oder massen-organisierten Computer-, aber auch TV-Konsum aus. Das Thema hat nur jetzt plötzlich eine große mediale Aufmerksamkeit. Natürlich auch ausgelöst durch den Amoklauf von Winnenden. Leider braucht es manchmal schreckliche Anstöße, damit Themen wahr genommen werden. Wir haben drei Argumente gegen diese organisierten Computerspieletreffen:

1. Diese Computerspielemessen geben Spielern u.a. so genannte Ego Shooter an die Hand. Das virtuelle Ballern auf animierte Menschen, Tiere, Phantasiegestalten. Das hat für uns keinen Spielecharakter, das hat nichts mit angeblicher Konzentrationsübung oder Spielelust zu tun. Counter Strike, eines dieser Spiele, wurde vom US-Militär eingesetzt, um die Hemmschwelle beim Töten herabzusetzen.

2. Diese Messen werden als eSport vermarktet. Oftmals geht es um viele Stunden, in denen die Spieler auf den Bildschirm starren und per Hand Aktionen ausführen. Die Außenwelt wird ausgeklammert, die Fokussierung richtet sich auf die irreale Welt des Spiels. Die von Wissenschaftlern bestätigten Folgen: Unkonzentriertheit nach Abschalten, nachlassende Kommunikationsbereitschaft, fehlende Empathie.

3. Es reicht nicht, dass diese Messen erst ab 18 Jahren besucht werden dürfen. Zum einen werden immer wieder Verstöße fest gestellt, zum anderen haben sie natürlich eine Sogwirkung für Jüngere. Was da im Großen passiert, wird von jüngeren, z.B. Geschwistern, im Privaten praktiziert.

Wenn es im Privaten praktiziert wird, dann nützt die Absage einer Computerspielemesse doch gar nichts, oder?

Zunächst mal wenig, das ist richtig. Aber das kann ja kein Argument sein, alles laufen zu lassen. Wie gesagt, wir reden über diesen sozialen Unsinn schon seit Jahren. Im Grunde hat die Gesellschaft alle technischen Neuerungen nur bejubelt, aber nie über Auswirkungen diskutiert, auch nicht über mögliche notwendige Regeln. Ich weiß, dass nicht alles umsetzbar bzw. sinnvoll ist. Aber wie gesagt, es findet ja nicht mal eine Diskussion statt. Seit langem fordern wir z.B. geregelten Medienunterricht an den Schulen. Da gibt es vereinzelt Projektstunden, aber mehr auch nicht. Wir sind jedoch längst eine Mediengesellschaft geworden. Wie sollen Heranwachsende damit umgehen? Das fängt mit dem Fernsehen oder mit Zeitungen an: Was ist PR, was ist Werbung, was sind Nachrichten? Was ist der Unterschied zwischen Öffentlich-Rechtlichem und Privatfernsehen? Welche elektronischen Spuren hinterlasse ich im Internet? Welche Infos sollte ich lieber nicht preisgeben? Wo lauern Gefahren? uvm. Da zeigen sich für mich die Lehrplangestalter als die wahren Technologieverweigerer!

Die Computerspielemesse hätte aber nicht Kinder, sondern volljährige Menschen angesprochen. Warum lassen Sie Erwachsene nicht einfach tun, was sie wollen?

Ja, das ist tatsächlich ein Punkt, über den ich auch nachdenke. Wir leben in einer Gesellschaft der ständigen Verbote: Rauchverbot, Verbot von Alkopops, Nachtverkaufsverbot von Alkohol an Tankstellen etc. Auch hier muss die Frage lauten: Wohin führt uns das, wenn der Staat alles reglementiert? Aber es gibt für mich auch eine andere Frage: Kommen wir mit zu viel Freiheit, mit zu viel Selbstverantwortung, mit zu vielen Möglichkeiten nicht zu recht? Haben wir verlernt, auf unsere eigene Stimme der Vernunft oder des Herzens zu hören? Merken wir nicht, wann wir uns selbst schädigen? Überfordern wir uns, insbesondere junge Menschen, nicht permanent? Und das hört keineswegs mit dem 18. Lebensjahr auf. Es liegt in der Natur unseres Vereins, dass wir einen missionarischen Charakter haben. Wir erleben nämlich in unseren Aufgaben und Funktionen, was in Familien und Schulen bei einigen Kindern und Jugendlichen falsch läuft. Und immer wieder ist es das gleiche Muster, wenn wir nachfragen: Die Heranwachsenden erfahren Erwachsene als Vorbilder, die stundenlang selbst vor Fernseher und/oder Computer sitzen, bei denen sich das komplette Leben vor Mattscheiben abspielt, inklusive Essen und Gesprächen – wenn man das dann überhaupt noch so bezeichnen kann.

In Ihrem Offenen Brief fordern Sie auch das Verbot von Paintball. Was wollen Sie denn noch alles verbieten?

Wenn die Frage schon so lautet: Alles, was Menschenverachtend ist. Das Zielen auf Menschen bzw. Treffen von Menschen, auch wenn es nur Farbkugeln sind, finde ich entsetzlich. Übrigens: Ich weiß, wovon ich rede, ich habe sowohl schon eine Lanparty als auch eine Gotcha-Jagd als Beobachterin erlebt. Aber ich weiß nicht, wo das Ganze noch hinführt. Weder was es noch an neuen Modespielen etc. geben wird, noch was uns treibt, nach Verboten zu rufen. Ich weiß nicht, wo es anfängt und wo es aufhört. Ich habe mich schon vor 25 Jahren aufgeregt, wenn Kindern Plastikpistolen an Fasching mitgegeben wurde. Zum heutigen Irrsinn ist das natürlich vergleichsweise harmlos. Aber genau darum geht es: Was fällt der Industrie als nächstes ein? Das ist ja ein riesiger Markt. Und was braucht die Menschheit, um den nächsten Kick toll zu empfinden? 1970 lief im Fernsehen "Das Millionenspiel", das war eine fingierte Fernsehshow, bei dem ein Kandidat um sein Leben vor Auftragskillern lief. Die Fernsehzuschauer konnten ihn unterstützen oder auffliegen lassen. Das war Fiktion. Heute, fast 40 Jahre später bin ich mir nicht sicher, ob wir das nicht bald als "geile TV-Idee" real vorgesetzt bekommen. Das hat was von "Brot und Spiele" im untergehenden Rom.

Sind Sie der Ansicht, dass Heranwachsende grundsätzlich die Finger von Computern lassen sollten?

Du liebes bisschen: NEIN! Wir sind doch keine sozialromantischen Schwarz-weiß-Seher, sondern Realisten. Die Neuen Medien bieten wunderbare Möglichkeiten – man muss nur damit umgehen können. Was wäre ich als Schülerin oder auch als junge Journalistin froh über die Recherchemöglichkeiten im Internet gewesen. Aber da fängt es auch schon an: Junge Menschen müssen herangeführt werden: Was sind Quellen? Wo muss man hinterfragen? Was kann man übernehmen? Was ist geistiges Eigentum? und vieles mehr. Es gibt auch tolle Software, die Lernen mit Spielen verbindet. Zum Beispiel das Projekt Scoyo von Bertelsmann, das noch in den Kinderschuhen steckt, aber das sind gute Ansätze. Nur bislang meinen Softwareanbieter mehr mit reinen Spielen zu verdienen. Klar, da muss auch ein Umdenken in Schulen und bei Eltern im Kaufverhalten passieren.

Ihr Verhältnis zum Internet und zu Neuen Medien klingt etwas zwiespältig …

Ja, das ist es auch. Beruflich habe ich damit zu tun, auf Informations- und Werbeebene entdecke ich tolle neue Welten. Ich bin aber auch skeptisch. Als 60er-Generation bin ich mit dem kritischen Umgang zum Beispiel von Datenschutz aufgewachsen. Heute wird alles allzu freizügig preisgegeben und transportiert. Das finde ich befremdlich. Mir fehlen auch einfach öffentlich diskutierte Fragen: Sind wir machtlos gegen Kinderpornos, Gewaltverherrlichung und Antisemitismus im Netz? Müssen Kreative wie Musiker und Autoren die schutzlose Kopie ihrer Werke hinnehmen? Was darf das Internet? Müssen wir der Forderung folgen, dass das Netz die Revolution ohne Regeln, ohne Schutz, ohne Kritik darstellt? Und wer anderes fordere, sei zu alt und bereits von gestern? Wir erleben doch gerade mit der Finanz- und Wirtschaftskrise, wohin uns der Wahn der ungezügelten Freiheit führt. Wenn sich Menschen, die Kenntnisse und Macht haben, über alles hinwegsetzen. Da zeigt sich, wer Verantwortung für sich und andere gelernt hat und jetzt praktiziert.

Sprechen Sie Heranwachsenden diese Vernunft und Verantwortung ab?

Vernunft und Verantwortung sind ja nur zum Teil angeboren, das muss vorgelebt, erprobt und immer wieder neu definiert werden. Ich sehe nicht, dass dies ein großes Thema in unserer Gesellschaft ist. Bei meinen zahlreichen Gesprächen an Schulen oder auch mit unseren Schulpraktikanten in meinem Unternehmen erfahre ich, dass dies fast nie in Familien oder Klassen angesprochen wird. Wo soll es dann herkommen? Ich habe jetzt gerade gelesen, dass 70 % aller 6- bis 13-Jährigen Computerspiele zumindest gelegentlich nutzen (Quelle Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest) und dass z.B. US-Jugendliche durchschnittlich 75 SMS (Kurzmitteilungen per Handy) am Tag schreiben (Quelle Nielsen, Artikel in der New York Times). Der Hamburger Trendforscher Peter Wippermann zitiert in der Wirtschaftswoche kanadische Wissenschaftler: "Da findet eine Art mediales Kraulen statt als Ersatz für physische Nähe". Jugendliche würden nach Bestätigung und Aufmerksamkeit durch SMS gieren. Daraus würden Konzentrations- und Schlafdefizite resultieren. Erschreckend ist auch eine Umfrage des Instituts für Demoskopie in Allensbach: Nur 36 Prozent der 14- bis 19-Jährigen ziehen ein persönliches Gespräch einer Mail oder SMS vor. Wie soll das weitergehen? Wir sind in unserer Gesellschaft auf direkte Kommunikation und Miteinander angewiesen. Wer heute bei den Computerspielenächten mitmacht, ist zum großen Teil in dieser reinen Internetwelt aufgewachsen. Technisch brillant, sozial und kommunikativ fragwürdig.

Computerspieler und Veranstalter, auch von so genannten Paintballspielen, bezeichnen virtuelle und reale Spiele als Fortführung früherer Räuber- und Gendarm-Spiele mit anderen Mitteln. Ist das kein Argument?

Genau darum geht es: Es sind eben andere Mittel, die nicht vergleichbar sind. Bei Computerspielen werden dem Gehirn fertige Bilder vorgesetzt, die er sich in seiner Phantasie nach seinem eigenen Entwicklungsstand nicht selbst erschließen kann. Der Kriminologe Prof. Pfeiffer aus Hannover, der sich viel mit den Auswirkungen von Computerspielen beschäftigt, erzählt folgende Geschichte: Eine Oma, die ihrem Enkel etwas Gutes tun will, kauft die DVD zu "Hänsel und Gretel". Anstatt das Märchen vorzulesen, setzt sie das rund sechsjährige Kind vor den Fernseher. Das fängt an zu schreien angesichts der Szene, als die Hexe in den Ofen gestoßen wird. Beim Vorlesen hätte sich das Kind sein eigenes Bild im Kopf gemacht, ohne grausige Zutaten, die der Film zur Dramatik setzt. Nun mag man sagen, das ist ein Kleinkind, aber die mediale Berieselung fängt da bereits an und setzt sich über viele Jahre fort. Das führt zur Abstumpfung und Reizüberflutung. Schauen Sie sich die Dauerberieselten an: Viele "können" ohne Beschallung von Fernseher oder Computer nicht mehr arbeiten, lesen, irgendetwas ausführen. Konzentration? Ausdauer? Und wer als Erwachsener noch Räuber-und-Gendarm-Spiele braucht, muss wirklich ein langweiliges Leben führen, das darauf angewiesen ist, ständig von außen Kicks zu bekommen.

Wie wollen Sie die Computerspieler, egal welchen Alters, überhaupt erreichen?


Das ist die größte Herausforderung. Wir haben als Leselust sicherlich drei Zielgruppen:
1. Kindergartenkinder und SchülerInnen, bei denen wir vorlesen und möglichst früh zeigen, was die Welt von Büchern zu bieten hat. Das sind übrigens nicht nur die Bücher, das ist vor allem das Umfeld: Herankuscheln an den Vorleser bzw. die Vorleserin, besprechen der Inhalte, gemeinsam phantasieren und ein Umfeld schaffen, das zum schönen Ritual wird: "…und morgen machen wir das wieder!" Dem Kind ungeteilte Aufmerksamkeit schenken. Toll, wenn es das in Familien noch gibt.

2. Das familiäre Umfeld erreichen: Eltern, Großeltern, Patentante, Onkel etc. sensibilisieren und klar machen, was sie ihren Kindern antun, wenn sie sich nicht mit ihnen beschäftigen. Wenn sie ihnen einfach Computer und TV ins Zimmer stellen und die Kinder sich selbst überlassen. Viele Erwachsene wissen ja gar nicht, was ihre Kinder anschauen und spielen. Viele denken sich auch nichts dabei. Manche wundern sich, warum ihre Kindern teilnahmslos, überdreht oder im Gegenteil übermüdet sind. Fragen Sie doch mal Lehrer, wie oft sie Kindern gerade montags mit Mattscheiben-Augen erleben! Leider erreichen wir die Eltern, die dafür sensibilisiert werden, z.B. bei Elternabenden, nicht.

3. Wir möchten auch die ältere Generation ansprechen, die Bücher komplett abgeschrieben haben, weil sie diese als eindimensional ansehen, weil Computerspiele interaktiver erscheinen. Hier kommen wir natürlich fast gar nicht ran. Aber unser Verein will ja auch nicht wie Robinson Crusoe (das ist übrigens eine berühmte Romanvorlage :-) auf einer einsamen Insel agieren. Wir rufen ganz klar nach Vernetzung. Hier müssen alle mit ran: Politik, Schulen, Familien, Vereine, Sport- und Kultureinrichtungen. Vor allem: Es muss endlich zum Thema werden.

Was schlagen Sie vor?

Unterschiedliche Vorgehen: Heranwachsenden die bunte Welt der Vielfalt und Alternativen zeigen. Zum Beispiel in Karlsruhe gibt es in den Pfingstferien das KIX, das Kulturfestival der Kinder und Jugendlichen. Ich kenne es zwar nicht, aber was ich im Internet gelesen habe, klingt toll. Voraussetzung ist jedoch, das Verantwortliche (wie gesagt auf allen Ebenen) endlich erkennen, wie wichtig das "Invest" in die junge Generation das ganze Jahr über ist. Für wie viel Unsinn wird Geld und Energie verwendet, wie wenig jedoch für junge Menschen. Gerade in den vergangenen Tagen habe ich von einigen Gemeinden gelesen, die wegen der Finanznot ihr Sommerferienprogramm kürzen. Da könnte ich schreien. Aber dann wird ein großes Tamtam zu Computerspielenächten und dem Amoklauf von Winnenden gemacht. Wir müssen jetzt ausbaden, was so lange versäumt wurde. Bei Älteren brauchen wir natürlich ganz andere Foren, wie wir sie erreichen. Wir brauchen mehr Begegnungsstätten und mehr Angebote der Information und der sinnvollen Freizeitgestaltung.

Das klingt sehr rational, Computerspielen ist aber für viele ein tolles Lebensgefühl.

Bitte verstehen Sie mich nicht falsch. Ich sitze auch nicht jeden Abend vor "meinem Goethe" oder lese die Spiegel-Bestsellerliste rauf und runter. Ich kenne auch stundenlanges Fernsehen, vor allem als Sportverrückte. Ab der nächsten Bundesliga-Spielzeit, wenn der Spielplan so zerstückelt ist, werde ich an den Wochenende zum Tier. Oder auch bei meinen Stadionbesuchen. Aber ich komme auch schnell wieder runter von meinem Trip und gehöre nicht zu den Ultras. Also die Formal lautet: einfach in Maßen, mit Sinn und Verstand, mit Freude und Lust.

Waren Sie erstaunt über den Tenor mancher Reaktionen?

Ja! Ich hatte weder mit der großen Resonanz, noch mit der Wortwahl so mancher Mail oder einiger Forumsbeiträge gerechnet. Wie sagte eines unserer Vereinsmitglieder so treffend: "Das ist entlarvend." Zunächst mal formal: Die Texte wimmelten von Fehlern, enthielten oft keine schlüssigen Satzkonstruktionen, waren voller Abkürzungen etc. Auch waren viele inhaltlich passagengleich. Zum Beispiel hier ein Textauszug, der x-mal in Mails vorkam: "Computerspiele wirken keine Amokläufe wie in Winnenden oder bringen Jugendliche dazu andere zu vergewaltigen. Die gleichen Lügenmärchen hatten wir damals mit Büchern (des Jungen Werthers oder so ähnlich) wo viele dachten, dass dieses Buch daran schuld sei, dass sich so viele junge Männer umbrachten." Und in nahezu allen Mails wird der CDU-Politiker Bosbach als der große böse "Gegenspieler" aller Computerspieler benannt.

Hat sich der Aufwand mit dem Offenen Brief gelohnt?

Geht man vom Ergebnis aus: unbedingt! Aber wie gesagt, das war nicht der Anfang und wird auch nicht das Ende sein. Vielleicht schaffen wir es gerade in der Technologieregion Karlsruhe nicht nur Technikeuphorie zu spüren, sondern auch zur Diskussion über Sinn und Unsinn, über Chancen und Risiken, über Auswüchse und Zukunftsvisionen der Neuen Medien anzuregen. Wir haben ja erst 20 Jahre Internet. Wer weiß, wohin es uns in den nächsten 20 Jahren treibt. Schauen wir doch mal auf die Parallelen zur tollen Erfindung des Automobils: Auch da musste erst gelernt werden, damit umzugehen. Heute sind Führerscheinprüfungen, Verkehrsregeln, Verkehrszeichen, Alkohol-Reglementierungen und -tests, Punkte in Flensburg, bleifrei Tanken etc. völlig normal. Auch die Gurtpflicht. Nur beim Computer interessieren uns Flatrates und Technikdetails mehr als die (Aus-)Wirkungen.

Haben auch Sie Fragen oder Antworten? Dann senden Sie uns eine Mail. Wir werden das Thema weiter beobachten, kommentieren und unsere Angebote dazu verfeinern. Zum Beispiel als Vortragende und Ansprechpartner bei Elternabenden.


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